Der gerade neu gewählte Rats-Vorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider, hatte sich kürzlich in einem Interview mit der Rheinischen Post zu den Themen geäußert, die für die Evangelische Kirche in Deutschland wichtig seien.
Demnach wolle sich Präses Schneider zunehmend auch weltlichen Dingen widmen. Wie im Interview nachzulesen ist, wolle die Kirche das Gespräch mit Gott und die Alltagsprobleme der Menschen miteinander verbinden. Dazu gehöre neben der Bildung und Integration auch das Thema Energiepolitik.
Er wäre sogar selbst nach Gorleben gefahren, wenn er es zeitlich geschafft hätte. Zwar nicht als Demonstrant, aber als Pastor, der diese Form des Protestes unterstütze.
Ein Aspekt, den auch Grünen-Chefin Claudia Roth bei Maybritt Illner im Disput mit Eon-Vizechef Ralf Güldner zu Nutzen wusste: Dort nämlich zitierte sie Schneider mit dem Hinweis, dass nun auch die Kirche gegen Atomkraft sei und das Thema Energie als so wichtig erachte.
Sie nutzte damit die Einlassung von Präses Schneider in einer Positionierungsdebatte gegen Atomkraft. Ein zulässiger Vorgang? Herr Güldner jedenfalls platzte darauf hin los: „Das geht den doch gar nix an!“. Hat er damit recht?
Wie dem auch sei – es erstaunt schon, dass sich die Kirche nunmehr in die Energiedebatte eingreift. Sind der Kirche ihre eigenen Themen ausgegangen? Passt eigentlich eine Debatte über die zukünftige Energieversorgung in den kirchlichen Kontext?
Für die Befürworter von Atomkraft und konventionellen Kohlekraftwerken wird die öffentliche Diskussion dadurch sicherlich nicht leichter. Im Gegenteil, wenn sich nunmehr die Kirche auch dieses Themas annimmt, wann können wir erwarten, dass sich der Ärztebund oder die Hochschulrektorenkonferenz ebenfalls in diese Debatte einschaltet. Einer sachlichen und fundierten Auseinandersetzung mit konkreten Inhalten hilft dies jedenfalls nicht.
Für die Kommunikation von Unternehmen – insbesondere von denen, die mit kritischen Themen umgehen – hat dies in zweierlei Hinsicht Relevanz: Themen, die bislang auf Fachebene erörtert wurden, werden zunehmend über neue, kritische gesellschaftliche Einflussgruppen diskutiert.
Dies ist auch gutes Recht einer demokratischen Zivilgesellschaft. Zum anderen wird es immer schwerer, mit Zahlen, Fakten und Sachargumenten den emotionalen Bildern, die als Nährboden für eine Angstdebatte dienen, entgegenzutreten.
Unternehmen sollten sich, so mein Rat, Gedanken darüber machen, wie sie ihre Sachargumentation emotional hinterlegen können. Emotionen sollten grundsätzlich mehr in den Fokus rücken. Schließlich geht es um die Organisation von Wahrnehmung für ihre eigenen Anliegen. Keine leichte Aufgabe, die auch Mut erfordert, dennoch eine lösbare.
Ach ja, halten Sie es für richtig, dass sich die Evangelische Kirche nunmehr auch zur energiepolitischen Themen äußert?
Die Weltenergieorganisation IEA (International Energy Agency) hat in ihrem am Dienstag veröffentlichten Weltenergiebericht prognostiziert, dass der weltweite Energiebedarf bis zum Jahr 2035 um 36 Prozent steigt.
Getrieben werde die Nachfrage vor allem durch den gewaltigen Energiehunger Chinas und Indiens. Der chinesische Energiebedarf werde um rd. 75 Prozent steigen, Indien werde in 25 Jahren sogar doppelt so viel Strom und Wärme verbrauchen wie heute.
Klimapolitisch ergibt sich wachsender Handlungsbedarf, denn der weltweite Temperaturanstieg wird sich gemäß dieser Zahlen kaum auf zwei Grad begrenzen lassen. Eins bleibt aber darüber hinaus sonnenklar: Es werden immer mehr Ressourcen benötigt.
Und hier zeigt die IEA, dass fossile Energieträger weltweit bestimmend bleiben. Erneuerbare Energien werden ihren Anteil am Energiemix in den kommenden 25 Jahren von sieben auf 14 Prozent deutlich ausbauen, aber die nahe Energiezukunft bestimmen sie noch nicht. Der Anteil der Atomenergie zur Deckung des weltweiten Energiehungers wird nur leicht – von sechs auf acht Prozent – steigen.
Öl bleibt daher nach Ansicht der Experten bis 2035 der dominierende Treib- oder Brennstoff. Aber – und auch das wird klar herausgehoben – immer teurer werden. Der Verbrauch an Kohle wird bis zum Jahr 2020 zunehmen und dann auf diesem Niveau verharren. Kein Ausweg also aus der globalen Erwärmung?
Einen Hoffnungsschimmer zeigt der IEA-Bericht am düsteren Firmament auf: Gas! Gas hat von allen fossilen Energieträgern den geringsten Anteil an Kohlenstoff und stößt bei seiner Verbrennung deutlich weniger Treibhausgase als andere fossile Rohstoffe. Es sind bereits jetzt weltweit ausreichende Vorkommen vorhanden, um die nächsten 60 Jahre Gas zu nutzen. Gas hat also eine rosige Zukunft!
Gas ist geradezu eine ideale Brücke in die Zukunft der Erneuerbaren. Wir können nicht sofort aus den fossilen Energien aussteigen und die Erneuerbaren können die Fossilen nicht sofort ersetzen.
Gas löst dieses Dilemma. Daher wäre es aus Gründen der Versorgungssicherheit geboten, Gas in den kommenden Jahren eine noch bedeutendere Rolle zu geben. Weltweit, aber auch in Deutschland. Und gerade auch in NRW, wie die Diskussion um die vermuteten Gasvorkommen zeigt!
http://www.worldenergyoutlook.org/
Denkzettel? Debakel? Demontage?
Barack Obama hat die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren. Dies ist in der politischen Kultur der USA nichts Neues. Im Jahr 2006 verloren die Republikaner die Kontrolle über den Kongress, 1994 erlebten die Demokraten unter Bill Clinton das Gleiche.
Der Ausgang dieser Kongresswahlen ist aber nicht nur eine politische Niederlage. Abgesehen davon, dass der Mandatsverlust der Demokraten unter Obama der höchste einer Präsidentenpartei seit mehr als 50 Jahren ist, müsste den interessierten Beobachter die Entwicklung des einstigen Mr. Perfect doch sehr verwundern.
Zur Erinnerung: Noch vor zwei Jahren war Obama quasi Synonym für Erfolg, Dynamik, Hoffnung, Optimismus, Friede, Wandel. Er war Gewinner des Friedensnobelpreises, der erste schwarze Präsident und Hoffnungsträger von Millionen Amerikanern.
Er wurde vergöttert, als Star gefeiert und sein Versprechen „Yes, we can“ faszinierte und motivierte Menschen aus aller Welt. Er verkörperte die Umgestaltung der amerikanischen Gesellschaft.
Dieses Image war perfekt und ebenso artifiziell. Obama war ganz oben noch bevor er das Oval Office auch nur einen Tag von innen gesehen hatte.
Barack Obama ist sympathisch, eloquent und selbstsicher – nicht umsonst wird er der „große Kommunikator“ genannt. Hinter dem „Produkt“ Obama steht aber nicht an erster Stelle die Persönlichkeit.
Der beispiellose Wahlkampf, seine Kampagne unter dem Motto „Change“ und nicht zuletzt die Nutzung des Internets haben neue Maßstäbe gesetzt. Die Einbindung diverser Web 2.0-Kanäle in seine Strategie gelten als Lehrbeispiel des „social media campaignings“.
Mehr als 90 Internet-Experten arbeiteten Vollzeit an der perfekten Vernetzung und Positionierung des Kandidaten. Durch sein Network „MyBarackObama“ konnte er nicht nur Millionen neuer finanzieller Unterstützer gewinnen, sondern Millionen Fans mobilisieren und so seine Botschaften viral verbreiten.
Und er hat es geschafft – er wurde gewählt. Was ist in der Zwischenzeit passiert?
Barack Obama wurde perfekt vermarktet. Perfekt, wenn es darum gegangen wäre, einen Popstar oder Hollywoodidol auf dem Markt zu etablieren. Obama punktete mit emotionalen Themen.
Die Bürger haben das „Produkt“ Obama vergöttert, im Wahlkampf begeistert ein einfaches: „Yes, we can“. Wer aber den Weltfrieden verspricht, darf nicht an Guantanamo scheitern. Obama wurde zu hoch gepuscht, die Realität hat ihn nun eingeholt.
Seit der umstrittenen Gesundheitsreform werden die kritischen Stimmen immer lauter. Obama hat auf emotionaler Ebene Menschen begeistern können. Diese Menschen wollen nun Resultate sehen.
Sachthemen rücken in den Vordergrund und lassen die emotionale Komponente verblassen. Obama war bereits ganz oben, ist er nun schon am Ende angelangt? Oder kann er das Ruder noch einmal umreißen?
PR kann nur dann gute Resultate erzielen, wenn Mitarbeiter die Ziele des Unternehmens kennen, von der Richtigkeit der Strategie überzeugt sind und die Motivation aufbringen, den vorgegebenen Kurs mitzugehen.
Mit dem Lockruf „Alle Fakten auf den Tisch“ scheint es Heiner Geißler zu gelingen, Protagonisten des protestierenden schwäbisch-badischen Wahlvolkes, Landespolitiker, behördliche Planer und Bahnvertreter an einen runden Tisch zu bekommen.
Derweil räumt die zuständige baden-württembergische Verkehrsministerin kleinlaut ein, dass da wohl doch der ein oder andere Fehler vorgekommen sei. Zu diesem Ergebnis muss sie kommen, schließlich steht ihre Partei unmittelbar vor dem Absturz in die politische Bedeutungslosigkeit. Da macht es – politisch zumindest – viel Sinn, dem Volk nach dem Mund zu reden. Rückgrat ade!
Unternehmenskommunikation im Web2.0 - Welche Herausforderungen sind in der Zukunft zu bewältigen? Interview mit Kai vom Hoff, geschäftsführender Gesellschafter der PR-Agentur vom Hoff Kommunikation in Düsseldorf.
Braucht die Web-Welt Benimmregeln oder sind sie selbstverständlich?
2010 hat der Deutsche Knigge-Rat einen Kodex mit zwölf Punkten für die “stilvolle Kontaktpflege durch soziale Medien” entwickelt. Und die Deutsche Telekom präsentierte im selben Jahr auf einer Website sogar “101…
„Vorsicht ist besser als Nachsicht“ ist ein gängiges Sprichwort. Bei jeder Entscheidung, die wir treffen, wägen wir innerlich ab: Welche Konsequenzen trägt mein Handeln? Welche Risiken gibt es? Wie wahrscheinlich ist ein möglicher Schaden?
Wir alle haben eine – wie es in der Wissenschaft heißt – subjektive Risikowahrnehmung. So schätzt der eine die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, mit dem Flugzeug abzustürzen. Ein anderer wiederum sieht kein erhöhtes Risiko darin, ohne Sicherung einen Berg zu besteigen. Spekulanten investieren in Hedgefonds, der Familienvater von nebenan weiß sein Geld sicher auf der Sparkasse.
Wie aber bewerten wir ein potentielles Risiko? Woher wissen wir, was wir ohne Bedenken essen können, wie sich der Euro entwickeln wird oder ob wir uns in diesem Winter gegen das Influenza-Virus impfen lassen sollen?
Letztlich sind wir alle abhängig von Informationen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir unserem Anlageberater, unserer Bundeskanzlerin oder den Medien Vertrauen schenken. Doch geht das so einfach?
Sind wir überhaupt in der Lage aus einem Wust an Empfehlungen, Einschätzungen, Warnungen und Expertenmeinungen ein differenziertes Urteil zu fällen?
Haben wir die Kompetenz, mit Wahrscheinlichkeiten und Risiken richtig umzugehen?
Nach einer Studie der R+V Versicherung über die „Die Ängste der Deutschen 2010“
steigt das durchschnittliche Angstniveau in diesem Jahr auf den zweithöchsten Wert seit Beginn der Studie im Jahr 1990. 53 % der Deutschen haben beispielsweise Angst vor terroristischen Anschlägen.
Wie hoch aber ist das Risiko durch einen Anschlag zu sterben wirklich? In jedem Fall verschwindend gering im Vergleich zu der Wahrscheinlichkeit durch einen Haushaltsunfall ums Leben zu kommen, wie man an den aktuellen Zahlen der Todesursachenstatistik des Jahres 2009 sehen kann.
Oder erinnern wir uns zurück an den letzten Winter. Wer hat nicht mit sich gehadert, ob er sich zum Schutz gegen den Virus H1N1 impfen lassen soll – obwohl doch jährlich 7000-12000 Menschen an der saisonalen Grippe sterben.
Die Art und Weise, wie Statistiken und Wahrscheinlichkeiten rauf und runter interpretiert und ausgelegt werden, gibt zu denken. Nicht nur die Medien beteiligen sich am lustigen „Spiel mit Zahlen“, um die Sensationslust der Menschen zu bedienen und somit die Höhe der Auflage oder Einschaltquoten zu steigern.
Auch NGOs beeinflussen die subjektive Risikowahrnehmung von Verbrauchern durch überspitzte bis falsche Übersetzungen wissenschaftlicher Untersuchungen. Was steckt dahinter, wenn Greenpeace nach eigenen Untersuchungen „aufdeckt“, dass Früchte stark mit „Pestiziden“ belastet seien?
Wir als Verbraucher sind verunsichert, den nächsten Apfel werden wir bestimmt nicht ohne Bedenken genießen können. Das gefühlte Risiko steht aber nicht im Verhältnis zum tatsächlichen, wie eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigt.
Demnach glauben zwei Drittel der Bevölkerung, dass Rückstände von Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nicht erlaubt seien. Unbekannt hingegen ist, dass es gesetzliche Höchstgehalte von Rückständen in Lebensmitteln gibt, die strengen und regelmäßigen Kontrollen unterstehen. Wenn also „Pestizidrückstände“ gemessen werden, besteht noch lange kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher.
Bereits vor über 100 Jahren gab der Schriftsteller H.G. Wells Folgendes zu bedenken:
„Statistisches Denken wird für den mündigen Bürger eines Tages dieselbe Bedeutung haben wie die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können“. Lesen und schreiben – diese Herausforderung haben wir gemeistert. Statistisches Denken also der Umgang mit Zahlen, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten – an dieser Herausforderung müssen wir noch arbeiten.
Diese Moral von der Geschicht kann uns auch in der Kommunikation von Nutzen sein. Bei der Vertretung von Interessen und der Platzierung von Themen in der öffentlichen Wahrnehmung werden wir es kaum vermeiden können, Position zu beziehen.
Hierbei greifen wir natürlich auch auf Zahlen und Statistiken zurück, die uns helfen, unsere Botschaft zu bekräftigen. Aber wir wollen nicht manipulieren sondern überzeugen. Eine transparente Kommunikation durch ausgewogene Inhalte und wasserdichte Informationen führt zum Ziel – ohne Verunsicherung und falsche Panikmache. Oder was denken Sie?
